Entlassung

Veröffentlicht auf von Nix

Heute morgen habe ich folgendes E-Mail wegen der Entlassung die ich am Freitag bekommen habe an meinen Vorgesetzten geschrieben:

Sehr geehrter Herr XXXXXX,

so wie das mit meiner Entlassung gelaufen ist, ist aus folgenden Gründen alles andere als in Ordnung:

1.  Ich hatte bei der Bewerbung ausdrücklich gesagt dass ich mehrere Jahre kein OSD mehr gemacht habe aber relativ schnell wieder drin sein würde und das habe ich gehalten. Nach zwei Tagen war ich wieder drin ohne die Kollegen viel mit Fragen belästigt zu haben wie Ihnen Hr. Musstermann sicher gerne bestätigen wird.
2. Auch das ich aus der Produktentwicklung und nicht aus dem Werkzeugbau komme war bekannt. Also hätte man auch da zur Einarbeitung ein wenig Zeit einplanen müssen. Auch das hat letztendlich Zeit (der dritte fehlende Tag) gekostet die mir angelastet wird.
3. Wie die anderen Kollegen kannte ich die Anforderugen in Berlin nicht. Ich wurde am Anfang gefragt ob ich in eineinhalb Wochen mit den 3D Modellen fertig sein würde. Das war ich auch so ziemlich nur habe ich dann eben 3 bis 4 Tage wie ich es gewohnt bin weiter optimiert so lange bis es wirklich eingefordert wurde. Eine Entwicklung ist ja bekanntlichermassen niemals wirklich fertig. Man muss irgendwann einen Reifegrad erreicht haben an dem das Produkt gut genug ist. Bei den anderen Kollegen wurde immer wieder Druck gemacht. Bei mir nicht und so ging ich bis am Donnerstag davon aus das alles in Ordnung wäre. An der Stelle kam dann am Freitag bei dem Entlassungsgespräch der Einwand dass man nicht immer neben mir sitzen könnte. Um auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen hätten aber 2 Tage vor es fertig sein hätte müssen ein bis zwei Sätze ausgereicht.
4. Ausserdem hatte ich mehrere fachliche Einwendungen. Die Toleranzen des Bauteils waren im Konzept nicht berücksichtigt ausserdem fehlte die Berechnung ob sich die Vorrichtung verkanten würde was wiederum dazu geführt hat dass ich etwas Zeit verloren habe. Dann kam noch vom Kunden der Wunsch dass man die zweiteilige Grundplatte  aus Kunststoff und ALU komplett aus Aluminium haben wollte.
5. Irgendwann hies es dann ich müsste die Zeichnungen für das Projekt eines Kollegen machen. Wiederum etwas bei dem noch niemand in der Geschäftsstelle Erfahrung hatte. Ich habe an der Stelle weit mehr Zeit gebraucht da ich sie möglichst umfassend ausgeführt habe wie es die Gepflogenheiten bei früheren Projekten in anderen anspruchsvollen Firmen waren. Meine Zeichnungen wurden dann zum Kunden genommen um das abzuklären und wir haben dann anschließend anhand dieser Zeichnungen besprochen wie die Vorstellungen des Kunden sind. Die Korrekturen an den Zeichnungen dann der Kollege wieder gemacht.
6. Die EDV hat grössere Probleme gemacht. Auf die Drucker konnte man eineinhalb Wochen lang überhaupt nicht zugreifen so dass ich bei den ersten Zeichnungen nicht einmal die Möglichkeit hatte Kontrollausdrucke zu machen. Ein Problem das die anderen so auch nicht hatten weil sie eben erst später mit den Zeichnungen angefangen haben.
7. Ich habe dann am Montag mit den Zeichnungen meines Projekts weitergemacht und trotz weiteren Optimierungsmassnahmen (Einfachere Herstellung, möglichst gerade Masse, möglichst viele Kaufteile) und Recherchen (nach Kaufteilen und Möglichkeiten die Zeichnungen weiter zu vereinfachen) war ich genau zu dem Zeitpunkt wie am Montag besprochen wurde fertig. Bei der Prüfung der ca. 17 Zeichnungen wurden unterdurchschnittlich wenige Probleme festgestellt die innerhalb etwa einer Stunde korrigiert waren. Dieses Mal haben sie auch genau so ausgesehen wie vom Kunden gefordert. Nebenbei habe ich in der letzten Woche aber auch noch die Zeichnungen von Hr. Mustermann mehrmals ausgedruckt weil bei ihm immer Fehlermeldungen aufgetaucht sind als er auf den Plotter zugreifen wollte.
8. Die Betreuungszeit die ich gebraucht habe war weit geringer als die bei den anderen Kollegen. Wie schon geschrieben hätte man mir wie bei den Kollegen nur auch früher etwas abfordern müssen.

Vor diesem Hintergrund und dass man vorher keinerlei Unzufriedenheit geäußert hat finde ich die Entlassung wie schon oben geschrieben völlig ungerechtfertigt. Normalerweise findet wenigstens vorher ein Gespräch statt indem man zu den Umständen welche zu der Unzufriedenheit befragt wird. Auch hier muss ich mich leider noch einmal wiederholen. Bis am Donnerstag war für mich keinerlei Unzufriedenheit und schon gar keine in dieser Dimension welche eine Entlassung rechtfertigen würde erkennbar.

Mit freundlichem Gruss
Gar Nix



01.08.2009. Da in der Zwischenzeit klar ist dass ich demnächst einen anderen Job in der Nähe meines Wohnortes habe ging heute folgendes Schreiben an die Firma raus:

Sehr geehrte Herren,

hiermit informiere ich Sie darüber dass ich auf die Probewoche die mir angeboten wurde dankend verzichte und eine Rücknahme der - ungerechtfertigten - Kündigung nicht mehr annehmen werde. Zwischenzeitlich habe ich anderweitig in der Umgebung von Stuttgart einen anderen Job gefunden.

Ansonsten habe ich noch hinzuzufügen dass man sich bei der Auszahlung des Gehalts nicht an das was ausgemacht war gehalten hat. Es war mindestens ausgemacht den Vorschuss auf 2 Monate zu verteilen ausserdem wurde mir mündlich zugesichert dass man das Geld für das Zimmer in Berlin zusammen mit dem Gehalt überweisen würde.

Ich bitte Sie hiermit schnellstmöglich um folgende Unterlagen und das fehlende Geld. Vorab reichen mir die Spesen und das Geld für die Miete um erst einmal über die Runde zu kommen bis der Rest geklärt ist:

- Lohnsteuerkarte
- Ein sehr gutes Zeugniss
- Meldung bei der Sozialversicherung
- 400 Euro für die Miete des Zimmers in Berlin
- 400 Euro Spesen (4 Wochen = 20 Arbeitstage x 20 Euro)  Ich war letzte Woche trotz Krankheit auf Abruf in Berlin
- Mein Gehalt bis Vertragsende
- Die Bezahlung meiner Überstunden und die Bezahlung von 2,5 Tagen Urlaubsanspruch da ich im Moment bis zum 4. August krankgeschrieben bin und das wohl erweitern lassen muss bis zum Ende des Vertrags.

Mit freundlichem Gruss
Gar Nix



30.08.2009. Nach einer nicht ganz richtigen Lohnabrechnung ging heute folgendes E-Mail raus:

Sehr geehrte Herren,

ich muss Ihnen mitteilen dass mir laut Vertrag ein Monatsgehalt von 3800 Euro zusteht und ich mich sehr wundern muss warum auf der Lohnsteuerbescheinigung nur 3432,25 Euro für 25 Arbeitstage + 2,5 Tage Urlaub den ich nicht mehr nehmen konnte weil ich krank war + ca. 10 Überstunden stehen. Ich komme da auf einen Betrag von 5042,40 Euro.

Pro Stunde stehen mir laut Vertrag 3800 Euro / 173,33 Stunden = 21,92 Euro zu

4 Wochen Arbeit im Juli 2009 machen 160 Stunden x 21,92 Euro = 3507,76 Euro (es waren also in der letzten Lohnabrechnung schon ca. 200 Euro Brutto zu wenig)
5 Arbeitstage im August machen 40 Stunden x 21,92 Euro = 876,94 Euro
2,5 Tage Urlaub machen 20 Stunden x 21,92 Euro = 438,47 Euro
10 Überstunden machen 219,23 Euro

In Summe macht das = 5042,40 Euro
Bruttofehlbetrag 5042,40 - 3423,25 = 1610,15 Euro

Das bedeutet dass ich bis Ende der Woche (4. September 2009) auf meinem Konto die restlichen 1610,15 Euro abzüglich Lohnnebenkosten habe. Ansonsten habe ich nicht nur wegen Ihnen am Freitag einen Termin beim Insolvenzanwalt bei dem ich verpflichtet bin alle Aussenstände anzugeben. Das Resultat wäre dann dass übernächste Woche dann mit grosser Wahrscheinlichkeit der Gerichtsvollzieher bei der Firma Mustermann auftauchen würde was wir doch alle vermeiden möchten.

Ausserdem fehlt mir noch das hervorragende Zeugniss um welches ich gebeten habe. Ich benötige dann auch eine korrigierte Lohnsteuerbescheinigung, Korrigierte Entgeltabrechnung für Juli, Entgeltabrechnung August, Meldebescheinigung bei der Sozialversicherung, Korrigierte Arbeitsbescheinigung für das Arbeitsamt. Alles noch einmal bitte.

Mit freundlichem Gruss

Gar Nix



 

Mehr zum Geschehen in diesem Jahr findet man in der Wikipedia: 2009

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