Gazastreifen - Niemand ist mehr sicher

Veröffentlicht auf von Nix

27. Dezember 2008. Israel greift die Hamas im Gazastreifen an, nachdem sie von dort immer wieder mit Raketen beschossen wurden. Der Angriffszeitpunkt wurde wahrscheinlich so gewählt weil in den USA der Präsidentenwechsel noch nicht stattgefunden hat und weil man damit bei den Wahlen im Februar 2009 im eigenen Land Stimmen zu gewinnen sind da etwa 80% der israelischen Bevölkerung für diesen Krieg ist.

06. Januar 2009.
Die israelische Bodenoffensive führt heute zu schweren Gefechten in den Städten. Auch UN-Schulen wo hunderte von Palästinensern Schutz gesucht haben wurden angegriffen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 40 Menschen getötet.

Ziemlich gruselig und tragisch was dort abgeht. Wobei es neben den unzähligen Verlierern in diesem Krieg den weder Israel noch die Palästinenser gewinnen können nur wenige Sieger wie beispielsweise die Waffenindustrie geben dürfte.

Die Quassam-Raketen wurden von den Hamas (die durch Angriffe damit diesen Gegenschlag der Israelis herausgefordert hat) selbst entwickelt und gebaut. Es sind einfache Stahlkonstruktionen ohne Leitwerk. Der Sprengkopf enthält 0,5 bis 10 Kg TNT.

Daneben sind in diesen Krieg wohl Waffen aus dem Iran, den USA, China, Russland und auch Europa und damit auch Deutschland (der drittgrösste Waffenexporteur der Welt) verwickelt.

07. Januar 2009. Anscheindend rückt ein Waffenstillstand näher. Israel plant auch täglich für Hilfslieferungen jeweils eine Feuerpause von 3 Stunden in der Zeit von 13 bis 16 Uhr einzuführen.

08. Januar 2009. Die Hilfslieferungen werden komplett eingestellt da die Waffenruhe nicht eingehalten wurde und ein UN-Konvoi von der Israelischen Armee beschossen wurde. Dabei wurden 2 Menschen getötet.

09. Januar 2009. Vom UN-Sicherheitsrat gibt es eine Resolution welche fordert die Kämpfe sofort einzustellen. Die Hamas und Israel behaupten es wäre nicht durchführbar und kämpfen weiter. Etwa ein Drittel der Toten (758 Menschen) und Verletzten (3100 Menschen) in diesem Krieg die gemeldet wurden sind Kinder, die Hälfte Zivilisten.

10. / 11. Januar 2009. Die Friedensbemühungen an denen sich nach langem Zögern auch Aussenminister Steinmeier beteiligt hat sind bis jetzt nicht sehr erfolgreich. Er bot Ägypten an bei einem Hilfsprogramm für arbeitslose Schmuggler bei der Grenzssicherung in Rafah zu helfen. Viele Beduinen sehen jedoch durch das Angebot ihre guten Einkommen in Gefahr.
Israel will seine Offensive noch ausweiten aber auch die Hamas feuern weiter fleissig Raketen in die andere Richtung. Derweil versuchen auch viele die an den Auseinandersetzungen nicht direkt beteiligt sind wieder möglichst viel Kapital aus dem was den Menschen dort an Leid zugefügt wird herauszuschlagen wobei der Iran im Moment dabei anscheinend eine herausragende Rolle spielt, aber auch Ägypten die wohl froh an einer geschwächten Hamas sein würden und damit ihren Einfluss in der Region vergrössern wollen sind daran beteiligt. Ausserdem kann man diesen Krieg für den im Moment in Israel 80% zustimmen auch im Bezug zu den anstehenden Wahlen dort sehen. Auch im Internet tobt ein Krieg um die Vorherrschaft. Bundeskanzlerin Merkel hat in der Zwischenzeit die Bereitschaft zur Beteiligung der Bundeswehr an einer Friedensmission erklärt. Der zukünftige US-amerikanische Präsident Barack Obama stellt bereits ein Expertenteam zusammen um am 20. Januar 2009, dem Tag seiner Ernennung zum Präsidenten, mit Friedensverhandlungen im Nahen Osten zu beginnen.

12. Januar 2009.
Die israelische Aussenministerin Tzipora Malka Livni hat die Forderungen der UNO zurückgewiesen: "Israel entscheide selbst wann Zeit für eine Waffenruhe im Gaza-Krieg sei und sonst niemand." Heute wurden auch Reservisten ins Kriegsgebiet geschickt.

13. Januar 2009. In der Nacht hat Israel die bisher heftigsten Angriffe gestartet und kündigt an das Vorgehen noch weiter zu verschärfen. Israel ist weiter in Gaza-Stadt einmarschiert wo es zu Häuserkämpfen mit Toten und Verletzten auf beiden Seiten kam. Von israelischer Seite wurden offenbar auch Phosphorbomben eingesetzt.

14. Januar 2009. Die Hamas haben 4 Rakten abgeschossen. Israel ist fast bis ins Zentrum von Gaza-Stadt vorgedrungen und greift an der Grenze immer wieder an um die etwa 35 Tunnel durch die Waffen geschmuggelt werden zu zerstören. Aktuell baut sich möglicherweise im Norden Israels eine zweite Front auf. Aus dem Libanon wurden Raketen abgefeuert. Israel hat zurückgeschossen. Der Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist zu einer Friedensmission in den Nahen Osten aufgebrochen. Im Internet meldet sich zu allem Überfluss auch noch Osama Bin Laden zu Wort und fordert die Muslime mal wieder zum Heiligen Krieg auf.
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" finden 49% der Deutschen das Vorgehen Israels für aggressiv. Nur 30% glauben dass Israel die Menschenrechte beachtet. 59% meinen dass Israel eine Politik ohne Rücksicht auf andere Völker verfolgt.

15. Januar 2009. Das israelische Militär zweifelt über die Ziele der weiteren Kriegsführung. Ein Teil ist offensichtlich der Meinung dass alles was möglich ist bereits erreicht wurde. Der deutsche Aussenminister Steinmeier reist nach Israel und trifft sich dort mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres zu weiteren Friedensverhandlungen.

Derweil verstärkte Israel die Angriffe massiv. Beim Beschuss von Gaza-Stadt wurde das Gebäude des UNO-Flüchtlingshilfswerks von 3 Phosphorbomben getroffen, dabei wurden 3 Mitarbeiter der UNO verletzt. Ein Lagerhaus mit 1000 Tonnen Lebensmittelhilfe und ein Treibstofflager standen in Flammen. Etwa 700 Menschen mussten evakuiert werden. Ausserdem wurde das Al-Kuds-Krankenhaus vom Roten Halbmond getroffen worden sein. In einem Gebäude welches von Fernsehsendern und der Nachrichtenagentur Reuters genutzt wird gab es eine Explosion.

Bei einem Angriff aus wurde Said Siam, der Innenminister der Hamas, welcher als einer der fünf ranghöchsten Hamas-Führer galt, getötet. Er war in Gaza in einem Versteck im Haus seines Bruders.

16. Januar 2009. In der Nacht wurden von Israel 40 Ziele angegriffen. 40.000 Bewohner von Gaza-Stadt sind auf der Flucht. Israel zieht sich scheinbar aus Gaza-Stadt zurück. Es wird von einem naheliegenden Waffenstillstand gemunkelt. Dabei spielt das Gerücht eine Rolle dass es teilweise schon auf den Druck des zukünftigen US-Präsidenten Barack Obama zurückgeht und sich seine Mitarbeiter bereits in die Verhandlungen eingeschaltet haben. Bis jetzt wurden etwa 1100 Menschen in dem Krieg getötet und über 5200 verletzt. Seit dem Nachmittag werden von den Hamas wieder mehr Raketen auf Israel abgefeuert, womit ein Waffenstillstand wieder in die Ferne gerückt ist. Die noch amtierende US-amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice unterschreibt zusammen mit der israelischen Aussenministerin eine Abmachung den Kampf gegen den Waffenschmuggel zu intensivieren. Die Lieferung von Raketen aus dem Iran soll gestoppt werden.


17. Januar 2009. Während von Waffenstillstand gesprochen wird hat man die Kämpfe noch verstärkt. In Deutschland demonstrieren 35.000 Menschen meist friedlich gegen den Krieg.

18. Januar 2009. Es gab für mehrere Stunden eine Waffenruhe. Nachdem am Morgen jedoch Raketen aus dem Gazastreifen auf die israelische Stadt Sderot abgeschossen waren hat die Israel mit einem Luftangriff geantwortet. Später am Tag jedoch geben die Hamas bekannt sich auch an den Waffenstillstand halten zu wollen. Die israelische Armee beginnt dann auch mit dem Rückzug aus ihren Stellungen.

19. Januar 2009. Die erste Nacht seit Wochen an denen es keine Kämpfe im Gazastreifen gegeben hat. Ich hoffe es folgen noch viele nach. Für Journalisten ist seit heute der Weg nach Gaza wieder offen. Vom nördlichen Teil gibt es im Laufe des Tages Meldungen von Augenzeugen welche von Scharmützeln der Hamas gegen israelische Soldaten berichten.
Vorläufige Bilanz des Krieges: Laut palästinensischen Angaben wurden in dem Krieg 22.000 Gebäude und beinahe die gesamte Infrastuktur zerstört. Es wurden etwa 1310 Palästinenser getötet, darunter über 420 Kinder. Etwa 5500 Menschen wurden verletzt. Ungefähr 100.000 Menschen sind obdachlos. Von den 400 Tunneln über die der Waffenschmuggel zwischen Saudi Arabien und dem Gazastreifen gelaufen ist sind etwa noch 200 Tunnel intakt. An der Instandsetzung alter Tunnel und dem Bau neuer Tunnel wird bereits wieder gearbeitet. Auf israelischer Seite starben 3 Zivilisten und 10 Soldaten. Saudi Arabien sagt Milliardenhilfe zu.

Weiter geht es unter "Gazastreifen nach dem Krieg" (Nixblog)



Mehr zum Geschehen in diesem Jahr findet man in der Wikipedia: 2009

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