Amoklauf von Winnenden

Veröffentlicht auf von Nix

Winnenden_Schule_12.jpgIch habe lange überlegt ob ich da einen Kommentar dazu schreiben soll aber die "Ehrlichkeit" der Politiker die "ganz entsetzt sind" wieder überall Verschärfungen und Konsequenzen fordern (Spiegel) und wenn es um Investitionen geht um solche Dinge zu verhindern blockieren wo es nur geht (Spiegel) und dass es nicht so sehr weit von meinem Wohnort entfernt ist hat mich dann doch dazu inspiriert. Wenn der Zufall etwas anders gespielt hätte könnten wir in Waiblingen wohnen und das die Schule von meinen 3 Kindern sein.
Ich selbst habe beim Überfliegen der Medien gestern zunächst gar nicht registriert dass nach dem Amoklauf in den USA in Alabama (Tagesschau) jetzt so etwas hier in der Nähe und nicht in Erfurt oder auf der anderen Seite der Erdkugel geschehen ist.

11. März 2010. Der erste Jahrestag (Tagesschau, Focus).

Der Amoklauf

Tim K. entwendet eine Beretta 9 mm Pistole, die spätere Tatwaffe, aus dem Schlafzimmer seiner Eltern und holt sich 220 Schuss Munition.

Am Mittwoch 11. März 2009 um 9.30 Uhr betritt der ehemalige 17jährige Mitschüler Tim K. die Albertville-Realschule in Winnenden. Er ist schwarz bekleidet und geht während dem Unterricht in 3 Klassenzimmer wo er dann offensichtlich wortlos um sich schiesst. Dabei werden 8 Schülerinnen und 1 Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren und drei Lehrerinnen der 9. und 10. Klasse getötet.

Bei den Lehrerinnen handelt es sich um:

- Die 24jährige Chemiereferendarin Sabrina Schüle welche erst seit 4 Wochen an der Schule gearbeitet hat. Sie wurde während dem Unterricht hinter dem Experimentiertisch erschossen und hatte sich schützend vor die Mädchen geworfen. Schüler versuchten ihr noch einen Druckverband anzulegen. Das war aber leider vergeblich.
- Die 24jährige Deutschreferendarin Nina Denise Mayer. Sie wird eine Woche nach dem Attentat am Mittwoch 18. März 2009, ihrem 25. Geburtstag, zu Grabe getragen.
- Die 26jährige Physikreferendarin Michaela Köhler, die Frau des Polizeibeamten Andreas Köhler aus Schwäbisch-Gmünd-Hussenhofen der zur Schule gerufen wurde. Die beiden waren erst seit 2 Monaten standesamtlich verheiratet und wollten sich im Mai kirchlich trauen lassen. Die Einladungen dazu waren bereits verschickt.

 

Bei den Schüler(innen) handelt es sich um:


Chantal Schill (16 Jahre), Jana Natascha Schober (14 Jahre), Stefanie Tanja Kleisch (16 Jahre), Jaqueline Hahn (15 Jahre), Kristina Strobel (genannt Krissi - 16 Jahre und 2 Wochen), Ibrahim Halilaj (17 Jahre), Selina Marx, Victorija Minasenko und Nicole Elisabeth Nalepa.

 

Die meisten Opfer wurden in den Kopf geschossen. Schüler sprangen aus den Fenstern um sich in Sicherheit zu bringen.

Um 9.33 Uhr geht ein Notruf aus der Schule bei der Polizei ein.

Bereits 7 Minuten, um 9.40 Uhr, später dringt die Polizei mit zwei Teams in das Schulgebäude ein wo sie die zwölf Leichen findet. Der Amokläufer ist bereits geflüchtet.

Eine Minute danach um 9.41 Uhr erschiesst Tim K. den 56jährigen Gas- Wasserinstallateur Franz Josef Just in einer Parkanlage in der Nähe seines Arbeitsplatzes den er 25 Jahre innehatte, des Psychiatrischen Krankenhauses und flüchtet weiter Richtung Innenstadt von Winnenden.

Derweil hat die Polizei eine Grossfandung mit 1000 Einsatzkräften und Hubschraubern eingeleitet und beginnt mit der Evakuierung und Absperrung der Schule. Die Kinder werden mit Bussen in eine Sporthalle im Winnender Stadtteil Schelmen-Holz gebracht. Dort waren dann auch Psychologen und es gab zu Essen und zu Trinken.

Um etwa 10 Uhr erfährt der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger im Mainzer Landtag vom Amoklauf und fliegt mit dem Hubschrauber an den Ort des Geschehens.

In der Zwischenzeit hat Tim K. einen Autofahrer (Igor Wolf) der auf einem Parkplatz vor der Klinik auf seine Frau wartete in seine Gewalt gebracht und mit der Waffe gezwungen ihn auf der Rückbank sitzend Richtung Wendlingen am Neckar im Kreis Esslingen zu fahren. Auf der A81 geriet der Verkehr ins Stocken und der Amokläufer soll gefragt haben ob er einige der anderen Verkehrsteilnehmer abknallen solle. Der Autofahrer hat als er ein Polizeiauto an einer Autobahnausfahrt gesehen hat Gas gegeben und ist auf einen Grünstreifen gefahren. Mit einem mit einem Sprung aus dem fahrenden Fahrzeug konnte er sich kurz vor 12 Uhr retten.

 

Tim K. flüchtet zu Fuß in ein nahegelegenes Industriegebiet von Wendlingen wo er wie erst am 3. April in der Öffentlichkeit bekannt wird von einem Polizeibeamten gestellt wurde. Es kam zu einem Schusswechsel. Dabei wurde Tim K. am Sprungelenk des linken Fußes und in der rechten Wade getroffen und setzte sich daraufhin auf den Boden. Daraufhin lege er nach einer Aufforderung seine Waffe neben sich auf der Strasse ab und hob die Hände über den Kopf wonach der Polizeibeamte seine Deckung verließ und mehrere Meter in Richtung des Täters ging. In diesem Moment stand Tim K. auf und hat seine Pistole ergriffen und wieder das Feuer auf den Polizeibeamten eröffnet. Der Beamte versuchte mit weiteren Schüssen eine Flucht des Amokläufers zu verhindern. Er erreichte trotzdem kurz nach zwölf Uhr das Autohaus.


Eine Minute nach 12 Uhr betritt der Amokläufer ein VW-Autohaus und erschiesst dort einen Mitarbeiter (Denis Pulic) und einen Kunden (Sigurt Peter Gustav Wilk) nachdem man dort seiner Forderung nach Herausgabe eines Fahrzeugs nicht nachgekommen ist. Insgesamt schoss er dort dreizehnmal. Während einem Magazinwechsel konnte zwei andere Menschen durch den Hinterausgang flüchten.

Etwa um 12 Uhr 30 schoss er durch die Glasscheibe auf ein Zivilfahrzeug der Polizei. Bei der Schiesserei wurden 2 Polizeibeamte schwer verletzt. Eine 37jährige Polizisten liegt am 3. April nach zwei Operationen immer noch im Krankenhaus. Tim K. brachte sich dann selbst mit einem Kopfschuss um. Insgesamt hat er während dem Amoklauf mehr als 100 Schüsse abgegeben.

Am Abend wurden die Leichen aus der Schule abtransportiert. Während dessen fand für die Betroffenen ein ökumenischer Gottesdienst in der Winnender Kirche St. Karl Borromäus statt. Neben zahlreichen Bewohnern von Waiblingen kamen auch viele Politiker und Geistliche. Einige Schüler brechen während dem Gottesdienst zusammen und mussten von Sanitätern aus der Kirche gebracht werden.  Am Ende wurden Kerzen angezündet und vor dem Altar niedergelegt. An der Realschule versammelten sich mehrere Dutzend Menschen zu einer Mahnwache. Trauernde legten rote Rosen, Frühlingsblumen und Kuscheltiere nieder.

In der Nacht danach wurden noch 5 Schüler, zwei Lehrer und zwei Polizisten im Krankenhaus behandelt wobei keiner mehr in Lebensgefahr ist.

Der Psychologe und Trauma-Spezialist Christian Lübke der 2002 nach dem Amoklauf von Erfurt die Schüler betreut hat fordert die Schliessung der Schule weil sie zum Tatort geworden ist und Kinder sonst noch in ein paar Wochen in das Trauma zurückversetzt werden könnten.

Eine Obduktion der Opfer wird es nicht geben im die Angehörigen vor weiteren Verletzungen zu schützen. Die meisten Leichen sind freigegeben. Nur der Täter soll obduziert werden.

Wer war Tim K.?

Er war 17 Jahre alt und hatte eine 14jährige Schwester. Die Familie wohnt in einem weissen Neubau mit Wintergarten und Dachterrasse in Leutenbach im Rems-Murr-Kreis. Vor dem Wintergarten ist ein japanicher Zierteich in dem Koi Karpfen schwimmen.
Zu seiner Schwester soll er ein normales Verhältnis gehabt haben. Ansonsten scheint er etwas zurückhaltend und etwas verschlossen gewesen sein. Tim K. soll Depressionen gehabt haben. Depressive Menschen sind jedoch normalerweise nicht gefährlicher als andere Menschen. Sie richten die Agressionen meist gegen sich selbst.

Als Schüler war er wohl ziemlich unauffällig soll aber unter den Mitschülern als Looser gegolten haben. Von Gleichaltrigen wurde er anscheinend immer wieder geärgert was er aber heruntergeschluckt haben soll. Mit jüngeren Kindern konnte er dagegen scheinbar gut umgehen.
Er hat sechs Jahre lang die Realschule dort wo er das Blutbad angerichtet hat besucht und 2008 mit durschnittlichen Leistungen die Mittleren Reife erreicht. Danach hat er an einer Privatschule in Waiblingen ein zweijähriges Berufskolleg besucht um einen kaufmännischen Beruf zu lernen. 

Tim K. hat wohl relativ viel Sport gemacht. Er spielte aktiv Tennis und seit 3 Jahren hat er Kraftsport betrieben. Beim KSV Ispringen bei Pforzheim hat er jeden zweiten Montag Armwrestling trainiert. 2008 erreichte er einen vierten Platz in der Kategorie "Linker Arm, Junioren über 70 kg".

Er soll auch oft am Computer gewesen sein und gerne Poker gespielt haben. Dort sollen Pornobilder und Gewaltspiele sichergestellt worden sein. Auch Gewaltfilme wurden anscheinend in seinem Zimmer gefunden.

Tom K. war interessiert an einen Mädchen in der Nachbarschaft hatte aber keine Beziehung mit ihr. An Silvester 2008 soll er ihr am Telefon seine Liebe gestanden haben und von ihr und den Partygästen ausgelacht worden sein.
Bei der Durchsuchung seines Zimmers wurde eine Bescheinigung der Bundeswehr zur Wehrdienstfähigkeit aus der laut Polizei hervorging dass er in einer Psychotherapie war gefunden. Die Wände seines Zimmers sollen mit vielen Softguns dekoriert gewesen sein.

Laut dem Anwalt Olaf Hohmann der Eltern war die psychiatrische Behandlung eine Ente (Focus) Im Keller des Elternhauses soll es auch keinen Schießstand geben: Von April bis September 2008 war er wegen Depressionen fünfmal in der Psychiatrischen Klinik am Weißenhof  zu Weinsberg im Landkreis Heilbronn in stationärer psychiatrischer Behandlung. Er sollte diese ambulant in der Klinik in Winnenden fortsetzen, hatte dies jedoch abgebrochen. Der Direktor hat jedoch bestätigt dass Tim k. dort in Behandlung war. Insofern handelt es sich bei dem Manöver des Anwalts wohl eher darum den Vater aus der Schusslinie zu bringen weil aus der Ordnungswidrigkeit die er dadurch begangen hat dass die Pistole nicht eingeschlossen war grobe Fahrlässigkeit werden würde (Welt). In der Zwischenzeit (17. März 2009) ermittelt die Staatsanwaltschaft und es drohen bis zu fünf Jahren Haft.

Die Familie galt als vermögend. Der Vater Jörg K. ist Geschäftsführer einer Firma für Verpackungen und hat ursprünglich Mathematik studiert. Sie hatten einen Porsche. Der Vater ist wohl Mitglied in einem Schützenverein und hatte Zuhause ganz legal 16 Waffen und 4.600 Patronen verschiedenen Kalibers die in zwei Waffenschränken Zuhause eingeschlossen waren. Tim K. kannte möglicherweise die achtstellige Zahlenkombination. Gegen den Vater werden daher strafrechtliche Massnahmen geprüft. Die Polizei fand in der Schule eine sehr grosse Menge an Munition. Daher kommt die Vermutung auf dass er noch viel mehr Menschen töten wollte.

Viele Jugendliche haben das Gefühl gescheitert zu sein. Wie man aus den Medien erwartungsgemäß und unübersehbar heute erfahren kann hat er sich in letzter Zeit ziemlich viel mit Killerspielen beschäftigt (SWR). Zu seinen Hobbys soll laut Polizeisprecher Klaus Hinderer das Schiessen mit Softairwaffen gehört haben ausserdem war er Gastschütze (nicht Mitglied) im Verein des Vaters. Von Bekannten wird er als Waffennarr beschrieben.

 

Am Dienstag, 17. März 2009 veröffentlichen die Eltern von Tim K. einen offenen Brief an die Opfer:


"Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben. Bis zu dem furchtbaren Geschehen waren auch wir eine ganz normale Familie.

Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders. Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie. Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten.


Leutenbach, den 17.03.2009"



20.03.2009.
Der Vater will laut dem Landratsamt Waiblingen in Zukunft auf seine Waffen verzichten (SWR). Insgesamt wurden von verschiedenen Besitzern wegen  der Tat bereits 20 Waffen beim Landratsamt abgegeben.


 

25.04.2009. Anscheinend erkannte die Polizei wegen einer falschen Personenbeschreibung während der Fahndung Tim K. zweimal nicht (Focus).

06.05.2009. Tim K. hatte offenbar ein Profil bei der Online Plattform Quick.de wo er mit anderen Gewaltphantasien diskutierte (Stern).

08.09.2009. Von Professor Reinmar du Bois, dem Leiter des Stuttgarter Olgahospitals, wurde in der Zwischenzeit ein 211 Seiten dickes psychologisches Gutachten über Tim K. erstellt. Demnach wurde vom Hausarzt eine Behandlung durch einen Psychologen empfohlen. Am 23. April 2008 hatte er den ersten von 5 Terminen bei einer Psychologin wo er bereits beim ersten Termin von Gewaltphantasien erzählt haben soll in denen er Menschen umbringt. in den späteren 4 Sitzungen haben diese Phantasien anscheinend keine Rolle mehr gespielt.
Der Therapeutin wurde wohl nicht mitgeteilt dass Tim K. Zugang zu Waffen hatte. Sie attestierte dass er weder eigen- noch fremdaggressiv sei.
Tim K. hat wie jetzt bekannt wird auch einen etwas wirren Abschiedsbrief hinterlassen: "Die Wahrheit ist, diejenigen haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemacht hinzukommt." (Stern, Sueddeutsche).

12.09.2009. Laut einer Nachhilfelehrerin wurde Tim K. von seiten der Lehrer und Mitschüler massiv gemobbt (Sueddeutsche).

 

Diskussionen um den Amoklauf, die Ursachen und Möglichkeiten um so etwas zu verhindern

In Deutschland gibt es Amokläufe von Schülern erst seit Ende der 90er Jahre. Meißen, Erfurt und Emsdetten.

Die Diskussionen haben in den Internetforen noch während Tim K. auf der Flucht war begonnen. Die ersten Wörter die dazu gefallen sind waren "Killerspiele" und "Waffengesetze" (Telepolis). Später melden sich dann natürlich auch die Experten in den Medien zu Wort (Tagesschau). In den USA werden derweil von Firmen "Sicherheitspakete" für Schulen verkauft (Tagesschau). Es kommen dann auch die Rufe nach mehr psychologischem Personal an Schulen auf (Heute). 

Die Diskussion kommt schnell zu dem Punkt inwieweit der Druck der Gesellschaft daran beteiligt ist der immer mehr verlangt "aussergewöhnliche Leistungen" zu bringen und die Menschen die das nicht schaffen als Versager darstellt. An der Stelle kommt man in der Diskussion an den Punkt an dem die Schuldfrage hin und hergeschoben wird. Der Täter ist natürlich Schuld. Aber Täter sind in den meisten Fällen nicht nur Täter sondern auch gleichzeitig Opfer. Die Gesellschaft hat auch ihren Teil daran und tut sich sehr schwer damit sich selbst auch als Täter zu erkennen.

Nachdem ich jetzt am Samstag doch so einiges zusammengebracht habe um ein Bild von Tim K. zu machen ist er in meinen Augen daran zerbrochen dass man heutzutage einen derartigen gesellschaftlichen Druck aufbaut dass Kinder immer noch besser sein müssen. Ein guter Hauptschüler ist wertlos. Es muss heutzutage die Realschule sein und selbst das ist in vielen Augen nichts mehr wert. In den Berichten über ihn heist es überall er war nur mittelmäßig in der Schule, wurde weil er keine so grosse Klappe wie die anderen hatte von den Mitschülern mehr oder weniger gemobbt, wahrscheinlich Zuhause das selbe, der Vater hat Mathematik studiert und ist Chef einer Firma geworden und der Sohn hat "nur" die mittlere Reife erreicht. Auf das deutet auch hin dass zwischen ihm und seinem Vater nicht so ganz alles richtig gut gelaufen sein soll. Er war "nur" 4. beim Armwrestling ... man hat ihm immer klargemacht dass seine Leistungen nicht ausreichend sind. Mittelmäßigkeit reicht bei uns nicht aus. Nur Höchstleistungungen sind gefragt - und eines konnte er wohl wirklich gut. Mit Waffen umgehen. Wie ich lesen konnte hat er immer ins Schwarze getroffen.  Manche Psychologen sind der Meinung dass man mögliche Täter an bestimmten Risikomerkmalen erkennen kann (Telepolis).

 

Ich denke ich kann solche Dinge besser als die meisten anderen beurteilen da ich selbst eine Zeitlang an Depressionen gelitten habe. Ich war auch schon einige Monate in einer psychotherapeutischen Klinik und ich bin jahrelang gegen "Wände" gelaufen als es darum ging eine Familie aufzubauen. Nebenbei bin ich durch eine unberechtigte Entlassung wie das Gericht damals festgestellt hat in finanzielle Schwierigkeiten geraten bin. Bis heute nach vier Jahren habe ich noch schwere Kämpfe gegen Betonköpfe auszufechten (Nixblog) die ohne mit der Wimper zu zucken bereit sind eine Familie zerplatzen zu lassen um ein paar Cent mehr herauszuholen. Mir war oft genug in den letzten Jahren auch danach Amok zu laufen. Warum ich es im Gegensatz zu Tim K. nicht getan habe. Ich hatte keine Waffe herumliegen. Ich bin ziemlich gegen Gewalt eingestellt und kann einen gewissen Teil des Drucks durch meine Schreiberei hier und in Foren abbauen ausserdem habe ich immer noch eine Familie für die es sich zu kämpfen gelohnt hat.


Zu einer Verschärfung des Waffengesetzes habe ich bis jetzt einen sinnvollen Vorschlag gelesen. Mitglieder eines Schützenvereins sollten die Waffen nicht Zuhause haben dürfen. Diese gehören im Vereinsheim in Panzerschränken eingeschlossen. Damit dann wie es befürchtet wird nicht bei einem Einbruch ein ganzes Waffenarsenal geklaut werden kann sollten diese Panzerschränke wie Umkleideschränke in Sporthallen über separate Türen für jedes Mitglied der den Schlüssel dazu mit nach Hause nimmt verfügen. Die Ersatzschlüssel sollten in einem Bankschließfach aufbewahrt werden. Man wird sich aber möglicherweise nur dazu durchringen mehr Kontrollen bei Schützen durchzuführen (taz).


Zu den "Killerspielen" meine ich eher dass beide Seiten etwas recht haben (Tagesschau). Sie können auf der einen Seite Agressionen abbauen aber manchmal frage ich mich ob die Detailgenauigkeit manchmal noch die Würde des Menschen berücksichtigt und die Erfurcht vor dem Wunder des menschlichen Lebens darunter leidet. Meiner Meinung nach ist das aber ein Randthema das viel zu sehr aufgebauscht wird um das eigene Versagen an der Stelle zu übertünchen. Der Kaufhof zieht die Konsequenz dass Spiele "Über 18" aus dem Sortiment genommen werden (Focus).


21. März 2009. In der Winnender Zeitung erscheint ein "Offener Brief" von Eltern der Opfer. Wobei auch dort wie in der ganzen Diskussion der wichtigste Aspekt ausgeblendet wird. Die tägliche Gewalt die von kleinen Sticheleien über Mobbing bis zu körperlicher Gewalt gegenüber anderen in einer schwächeren Position geht. Menschen die andere von oben herab behandeln und auslachen weil sie nicht so stark, reich, anders, laut ... sind. Die wichtigsten Punkte die behandelt werden sind Waffen, Gewalt im Fernsehen (wobei ich auch da nicht konform damit gehen kann weil man mehr oder weniger nur körperliche Gewalt behandelt und psychische Gewalt aussen vor lässt), Killerspiele will man verbieten lassen, Chatrooms und Foren im Internet werden richtig verteufelt. Man warnt vor einer "Heroisierung des Täters" weil der komplette Name des Täters überall (ausser von mir) veröffentlicht wurde.

23. April 2009. Die Innenminister von Bund und Ländern können sich nicht auf eine Verschärfung des Waffengesetzes einigen. Zu einem Verbot großkalibriger Waffen wird es nicht kommen. Eventuell wird das Alter für Schießübungen von 14 auf 18 Jahre hoch gesetzt (Spiegel).

07. Mai 2009. Paintball soll verboten werden (Tagesschau, Heute, Welt).

17. Mai 2009. Manche Wunden heilen nie (Welt).

18. August 2009. Nach dem Amoklauf von Winnenden gaben viele Bürger ihre Waffen ab. Einige Kommunen gaben sie jedoch nicht zur Vernichtung sondern haben sie an Waffenhändler und Schützenvereine weiterverkauft (Sueddeutsche).

21. August 2009. Jeder kann zum Amokläufer werden (Welt).

01. Oktober 2009. Ein Expertengremium macht 83 Vorschläge zur Verhinderung von Amokläufen (Spiegel).

Verschiedenes

 

Die Stadt Sindelfingen hat versucht eine Waffenbörse die kurz darauf dort stattfindet zu stoppen (Focus). Die Gerichte haben jedoch dagegen entschieden. Ob das richtig oder falsch ist die Diskussion überlasse ich anderen. Zum Ereigniss passt die Messe wie die Faust auf das Auge aber auf der anderen Seite ist für so eine Messe monatelange Planung und ein grösserer finanzieller Einsatz erforderlich so dass man auch Verständnis dafür haben kann dass diese nicht so einfach am Tag vorher abgesagt wird. Ansonsten würde ich persönlich keine solche Messe besuchen da ich etwas gegen den Besitz von Waffen habe.


Der Chef des Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger versucht das Geschehen dazu auszunützen um für die Lehrer höhere Einkommen herauszuschlagen (Spiegel). Die Einkommen der Lehrer sind zugegebenerweisse hierzulande teilweise äußerst misserabel (Sueddeutsche) aber das ist dann doch etwas geschmacklos.

 

Die Geisel Igor Wolf verkauft die Geschicht seiner Irrfahrt mit Tim K. an die Zeitschrift Stern.



Stuttgart sagt eine Computerspiele-Nacht ab. Dort sollten unter anderem die unter Beschuss stehenden Spiele "Counter Strike" und "Warcraft" gespielt werden (SWR).

 

Enten

Ankündigung des Amoklaufs im Internet (Telepolis). Ich habe mir ja immer etwas Zeit gelassen bis mehrere Stellen eine Nachricht bestätigt hatten aber darauf bin ich dann auch aufgesessen. Erfahren dass es möglicherweise eine Ente ist habe ich dann erst am späten Abend und da war ich zu erschlagen um meinen Kommentar noch zu reparieren. Das Problem liegt an der Stelle dass auch hier wieder wie im Fall "Jörg Tauss" (Nixblog) auch Informationen an die Presse herausgegeben wurden die nicht wirklich abgesichert sind. Es soll aber immer noch zwei Zeugen geben die behaupten die Nachricht vor dem Amoklauf gesehen zu haben (Heute):

 

In der Nacht vor dem Amoklauf sollte Tim K. der Ente nach gegen zwei Uhr morgens einen Internet-Chat gehabt haben (Telepolis). Dort hat er u.a. folgendes von sich gegeben: "Scheisse, Bernd es reicht mir. Ich habe mein Lotterleben satt. Immer das selbe - Alle lachen mich aus. Niemand erkennt mein Potential. Ich meine es ernst Bernd - ich habe Waffen und Munition und werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und so mal richtig gepflegt grillen. Vielleicht komme ich ja auch davon. Haltet die Ohren offen. Bernd, ihr werdet morgen von mir hören. Merkt euch nur den Namen des Ortes Winnenden. Und jetzt keine Meldung an die Polizei. Keine Angst. Ich trolle nur." Ein Vater aus Bayern hat die Polizei auf die Nachricht im Internet hingewiesen. Sein Sohn habe die Drohung zwar gesehen aber nicht ernst genommen und unter anderem mit der Abkürzung *LOL* reagiert.


Später stellt sich heraus dass es sich um ein Messageboard namens krautchan.net gehandelt hat. Der Name Bernd ist dort ein allgemeiner Deckname mit dem sich dort alle gegenseitig anreden um die Anonymität zu waren.

 

Twitter war nicht sehr hilfreich (Sueddeutsche). Unter vielen Falschmeldungen war Tontaube eine löbliche Ausnahme.

 

3. April 2009. Eine weitere Ente war dass Tim K. zunächst ungehindert das Autohaus betreten hat (Focus) und erst als er es verlassen wollte mit dem Polizeibeamten den Schusswechsel gehabt hat bei dem er an den Beinen verletzt wurde.

 

Trittbrettfahrer

 

Am Tag danach kommt es in Baden-Württemberg zu 6 Amokdrohungen in Pforzheim, Stuttgart, Ulm, Freiburg, Metzingen und Esslingen (Tagesschau):
- In Schramberg im Kreis Rottweil wurde am Tag nach dem Amoklauf ein 16jähriger festgenommen der am Tag des Amoklaufs in einem Brief ankündigte an seiner Berufsschule Amok zu laufen. Die Polizei geht in der Zwischenzeit davon auss der der Schüler nicht wirklich vor hatte einen Amoklauf zu begehen.
- In Freiburg ging am Donnerstagmorgen eine Bombendrohung ein.  Die Schule wurde geräumt und von der Polizei mit Sprengstoffspürhunden durchsucht. Gefunden wurde jedoch nichts. Die 400 Schüler konnten ab etwa 10.30 Uhr den Unterricht fortsetzen.
- Für die Alfons-Kern-Schule in Pforzheim war es die zweite Ankündigung eines Amoklaufs von einem Unbekannten innerhalb von wenigen Monaten. Im November 2008 wurde das Gebäude noch geräumt. Dieses Mal wurde das Gebäude von Polizisten und Zivilbeamten gesichert.
- In Esslingen am Neckar meinte ein 20jähriger eine Amokdrohung wäre ein Scherz. Er wurde kurz nach der Veröffentlichung im Internet festgenommen. Die Drohung hat einen Großeinsatz der Polzizei ausgelöst. Er muss für den "Spass" mit strafrechtlichen Folgen rechnen und für die Kosten des Polizeieinsatzes aufkommen.
- In Ulm sprach ein 18jähriger gegenüber Mitschülern von seiner Todesliste. Die Polizei sichert die Schule und stuft die Aussage als Wichtigtuerei ein.
- In Halberstadt ist man sehr schnell vorgegangen. Ein 22jähriger ist bereits zu 5 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hat am Tag nach der Tat per Notruf einen Amoklauf angekündigt um an der Berufsschule schulfrei zu bekommen. Die Polizei konnte den Täter sehr schnell ermitteln. Die Justiz entschloss sich zu einem beschleunigten Verfahren und setzte ihn bereits 7 Stunden später auf die Anklagebank. Er wurde unter anderem wegen Vortäuschens einer Straftat und Missbrauchs des Notrufs verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.
- In Ilsfeld südlich von Heilbronn wurde eine Realschule wegen einer Amokdrohung für mehrere Stunden gesperrt. Bei der Durchsuchung wurde jedoch nichts gefunden.

- In Wendlingen wo Tim K. sich umgebracht hat schrieb ein 15jähriger auf dem Schulhof einer Realschule eine Drohung nieder und wurde vorläufig festgenommen.


- Die hessische Polizei spricht von Kosten bis zu 85.000 Euro die innerhalb kürzester Zeit durch einen Einsatz zur Abwehr eines Amoklaufs auflaufen können. So ein "Spass" kann also ganz schön teuer für den Verursacher werden. Nach dem Amoklauf in Emsdetten gab es allein in Hessen 62 Trittbrettfahrer. Daher werden die Kosten schonungslos eingetrieben. Ausserdem müssen Täter mit bis zu 3 Jahren Haft rechnen.

- In Regensburg kündigte ein 15jähriger gegenüber einem Mitschüler an er wolle an seine ehemalige Schule gehen und jemanden töten. Der besorgte Mtischüler erzählte nach einer Gedenkminute für die Opfer des Massakers von Winnenden dem Rektor davon. Dieser löste einen grossen Polizeieinsatz aus. Der 15jährige wurde nach 3 Stunden festgenommen. Bei einem Familienangehörigen wurden zwei Gewehre sichergestellt. Der Jugendliche war der Polizei bereits wegen Gewaltdelikten bekannt.
- In Ennepetal in Nordrhein-Westfalen wurde ein 17jähriger Gymnasiast in der Schule festgenommen. Er hatte gegenüber seinen Mitschülern einen Amoklauf für den 20. April, dem 10. Jahrestag des Schulmassakers von Littleton und Hitlers Geburtstag angekündigt. In seiner Wohnung wurden chemische Substanzen (u.a. 30g Schwarzpulver, ca. 200 China-Böller und Glyzerin) und auf einem USB-Stick hat man Anweisungen zum Bau von Sprengköpern gefunden. Der Teenager der auch ein Luftgewehr und Waffenimitate besaß wurde zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
- In der Lüneburger Heide in Schneeverdingen nahm die Polizei am Freitag einen 21jährigen fest der einen Amolauf an der Teichschule im Internet angekündigt hatte: "Ich werde morgen 16 Schüler toten. Ich habe eine Waffe und werde alle töten". Eine Teichschule gibt es dort jedoch nicht. Er hatte auch keinen Zugang zu Waffen. Gegen ihn wird wegen "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhnung von Straftaten" ermittelt, sein Computer wurde sichergestellt und er muss wohl die Kosten des Polizeieinsatzes tragen. In der Zwischenzeit wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

- Remscheid: 16jähriger Trittbrettfahrer bekommt vom Amtsgericht 10 Tage Jugendarrest aufgebrummt.

- Kleve: 2 Jugendliche drohten ein Blutbad für ein Schulzentrum in Kalkar an und werden sich in den nächsten Tagen vor dem Jugendrichter wieder finden.

- Alleine in Nordrhein-Westfalen gab es seit dem Amoklauf etwa 60 Trittbrettfahrer.


- In den Niederlanden in Zundert wurde ein 18jähriger im Haus seiner Eltern festgenommen. Er hatte auf einer US-amerikanischen Internetseite eine Drohung veröffentlicht. In Breda wurden Schulen und Krippen geschlossen. Der Typ sprach von einem Witz. Die Staatsanwaltschaft davon dass man es sehr ernst genommen hat.

 


 
Mehr zum Geschehen in diesem Jahr findet man in der Wikipedia: 2009


Mobile_phone_infobox.pngSehr günstige Handys und Handys im Bundle gibt es bei Eteleon




Das Bild vom Mobiltelefon stammt von Wikimedia Commons von Andrew Fitzsimon
und wurde unter der public domain Lizenz veröffentlicht.
Das Bild "Winnenden Schule 12" stammt von Wikimedia Commons von Ra Boe
und wurde unter der CC-BY-SA-3.0 (de) Lizenz veröffentlicht.

Veröffentlicht in Krieg und Terror

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Hier wird meine Insel sein! 03/16/2009 21:24

Fassungslosigkeit!!!!!!!!!!!
13.März,2009




Ein junger Mann,

Eine Waffe,

Munition,

Der blanke hass,

Kinder,

Angst,

Schrecken,

Tot.




Meine Gedanken gehen an die toten Kinder und deren Familien in Winnenden.

Ich bin zutiefst bewegt von diesem schrecklichen was dort geschehen ist.