Kindermissbrauch im Kloster Ettal

Veröffentlicht auf von Nix

Ich bin Gar NixKloster EttalDas Kloster Ettal ist eine Benidiktinerabtei in dem oberbayerischen Dorf Ettal. Es wurde 1330 gegründet und ist ein beliebter touristischer Anziehungspunkt. Zum Kloster gehören landwirtschaftliche Betriebe, Gasthöfe, ein Gymnasium mit Internat, eine Destillerie und eine Brauerei (Wikipedia).
Zu der Klosterschule Ettal werden im Februar Missbrauchsfälle laut. Sie gilt als eine der besten Schulen in Bayern und will keine Paukerschule sein, sondern Nähe bieten und fürs Leben prägen. Schulleiter war bis zum 26. Februar 2010 Maurus Kraß der von den Vorfällen erst 2002 und 2003 erfahren haben will. Es gibt im Moment Vorwürfe von 20 ehemaligen Personen die angegeben haben als Schüler geschlagen oder missbraucht worden zu sein.
Schüler der Klosterschule Ettal waren die Wittelsbacher Franz und Max Emanuel von Bayern, Max Streibl (CSU - ein früherer Ministerpräsident von Bayern), Klaus von Dohnany (SPD - früher Erster Bürgermeister von Hamburg).

Chronik des Missbrauchs im Kloster Ettal
Kloster Ettal von oben
19. März 2010. Die dunkle Seite des Klosters (Sueddeutsche).

16. März 2010. Thomas Pfister, der Ermittler (Sueddeutsche).

12. März 2010 Ein 46jähriger Geschäftsmann erzählt wie er vor 25 Jahren missbraucht wurde. Sein erstes sexuelles Erlebnis soll ein Samenerguss von Pater M. auf seinem Rücken gewesen sein. Vor Pater P.  musste man bei Prügelstrafen die Hose herunterlassen. Die Hand des Paters blieb zwischen den Prügeln ziemlich lange auf der Pospalte liegen. Eben dieser Pater P. soll sich dann for kurzer Zeit im Internet über die "Null-Bock-Generation" ausgelassen haben. Als er seiner Mutter von den Schlägen erzählte wurde ihm von ihr nur lapidar geantwortet dass er die Prügel wohl verdient habe. Er hatte einen Mitschüler der später an Drogen starb.
Rechtsanwalt Thomas Pfister der die Missbrauchsfälle aufarbeiten soll hat in der Zwischenzeit Meldungen von ca. 120 Opfern. Die Übergriffe hatten vor allem im Internat System bis 1991 als eine neue Leitung kam. Durch das Beziehungsgeflecht untereinander und mit Frauen was aus kirchlicher Sicht streng verboten ist hatte jeder jeden in der Hand so dass keiner hinschaute was der andere tat. Pater M. lebte auch als die Vorwürfe intern lange bekannt waren bis zu seinem Tod gleich neben der Schule und dem Internat.
Viele Ehemalige Schüler bilden um das Kloster eine weitere Mauer um den Ruf des Klosters Ettal zu schützen. In geschlossenen Foren wird der externe Ermittler Pfister als "Inquisitor" bezeichnet. Ausserdem werden Überlegungen gemacht ob man ihn für seine deutlichen Äußerungen nicht verklagen kann. Man will keine Rechtfertigung von den mehr als 10 Patres die Kinder missbraucht und verprügelt haben. Diejenigen die sich als Opfer zu erkennen haben sollen sich noch rechtfertigen (Sueddeutsche).

09. März 2010. General Peter Beer rechtfertigt den Hinauswurf der Leitung des Bistums. Die "Grenzüberschreitung" 2005 hätte laut Kirchenrecht sofort dem Erzbistum gemeldet werden müssen welches dann die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hätte (Sueddeutsche).

06. März 2010. Notker Wolf, der oberste Benediktiner äußert sich verärgert über den Umgang der Erzdiözese im Umgang mit seiner Abteil. Es müsse geklärt werden ob die Erzdiözese München und Freising derart mit einer Abtei umgehen kann wie sie es jetzt tut, beispielsweise die Schließung der Schule anzudrohen, falls der Schulleiter nicht zurücktritt, ohne dass diesem das Geringste vorgeworfen werden kann. Auch beim Hinauswurf des Abtes hätte sich der Erzbischof eigentlich an die Religionskongregation wenden müssen (Focus).

05. März 2010. Laut dem Bericht des externen Ermittlers Thomas Pfister auf einer Pressekonferenz wurden im Kloster Ettal bis in die 90er Jahre Kinder oft jahrelang mißbraucht und geschlagen. Ein Pater veröffentlichte in den Jahren 2000 und 2001 Fotos von halbnackten Schülern im Internet in  Homosexuellenforen. Die Fotos der Buben mit nacktem Oberkörber wurden bei Bergwanderungen gemacht.
Die meisten Vorwürfe beziehen sich auf Schläge und andere Bestrafungen. Am dem Misshandlungen der mehr als 100 Opfer waren mehr als 10 Patres beteiligt. die systematisch geprügelt und die Kinder über Jahrzehnte hinweg massiv misshandelt haben sollen. Auf der Pressekonferenz wurde von Opfern zitiert die von schweren "voll durchgezogenen Schlägen berichteten", "Massenbestrafungen für Kleinigkeiten". Ein Opfer wurde anscheinend so lange mit einem Bambusstock verprügelt bis dieser zerbrach. Der Junge musste danach auf die Krankenstation. Manche der Patres  sollen regelrechte Sadisten und krankhaft impulsive Schläger gewesen sein. Auch ein ehemaliger US-amerikanischer Soldat soll unter den Patres gewesen sein der im Korea-Krieg war und dort traumatisiert worden sein musste. Er soll der Schlimmste von allen gewesen sein.
Die Aufklärung wurde durch Wegsehen und Schweigen verhindert (Heute, Sueddeutsche, Spiegel, Focus, Stern). Pater Johannes Bauer, der Cellerar des Kloster hat auf der Pressekonferenz eingeräumt selbst Kinder mit der Hand, aber auch mit einem Bügel verprügelt zu haben. Einen Rücktritt lehnt er ab da seine Arbeit nichts mehr mit Kindern zu tun habe.
Auch ein Pater soll von seinen "Mitbrüdern" sexuell missbraucht worden sein (Spiegel).
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit noch in drei Fällen:
- Ein Fall in dem ein Lehrer 2009 zwei jungen Schülern Kopfnüsse gegeben haben und einem von den beiden auf den Zeh getreten sein soll
- Ein Fall von möglichem sexuellen Mißbrauch der 2005 stattgefunden haben soll
- Der Fall von Kinderpornografie

02. März 2010. Razzia im Kloster Ettal wegen Verdacht auf Kinderpornografie (Heute, Sueddeutsche, Spiegel). Im Kloster Wechselburg im Kreis Mittelsachsen wurden drei Mönche mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden weil gegen sie Vorwürfe aus ihrer Zeit an der Schule und Internat im Kloster Ettal vorliegen sollen (Focus).

26. Februar 2010. Pater Maurus Kraß, der Prior des Klosters Ettal und Leiter der Klosterschule tritt zurück und "übernimmt wie Barnabas Bögle die Verantwortung für das Nichteinhalten der bischöflichen Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Mißbrauch Minderjähriger durch Geistliche". Er soll es unterlassen haben den Bischöflichen Beauftragten der Erzdiözese von den Vorwürfen über sexuellen Mißbrauch aus den Jahren 2003 und 2005 in Kenntnis zu setzen  (Focus).

24. Februar 2010. Barnabas Bögle, der Abt des Klosters Ettal tritt auf "dringende Bitte" der Erzdiözese München und Freising ab und "übernimmt damit die Verantwortung dafür, dass im Kloster Ettal gegen die bischöflichen Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche verstossen wurde". Laut diesen Leitlinien müssen solche Verdachtsfälle der Erzdiözese gemeldet werden damit die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs geprüft werden können. (Focus).

23. Februar 2010. Die Lebensbeichte eines Ordensbruders über sexuellen Missbrauch durch Pater M.agnus am Kloster Ettal (Sueddeutsche). Er ging 1976 auf die Ordensschule in die sechste Klasse und war zwölf Jahre alt. Pater M. ging abends im Schlafsaal herum und gab den Jungs einen Gute-Nacht-Kuss. Ab und zu sehr lange auf den Mund was der Junge oft sehr eklig fand. Eines Tages wurde der Junge von Pater Magnus morgens um 6 Uhr zum Schwimmen eingeladen. Nach dem Schwimmen der Bahnen setzte er sich neben den Jungen, hat ihn gestreichelt, geküsst und befriedigt. Der Junge hat das lange Zeit als frühes homosexuelles Erlebnis eingeordnet. Erst als er die 40 überschritten hatte wurde ihm klar dass eine Beziehung zwischen einem Lehrer und einem zwölfjährigen Schüler nicht frei sein kann.

Herbst 2009. Pater Magnus stirbt nach einem langen Krebsleiden. Pater Maurus Kraß hat das ganze Ausmaß der Übergriffe anscheinend erst im Januar 2010 begriffen als er die Zelle von Pater Magnus ausräumte und noch einmal den Computer startete. Auf dem Desktop gab es ein Dokument mit der Bezeichnung "Bekennen". Es wurde von Pater Magnus als er wusste dass er bald sterben würde im Dezember 2008 angelegt. Darin werden Verhältnisse mit Jungen aus dem Internat eingeräumt. Die Namen der Opfer werden jedoch nicht genannt.

2005. Ein Mönch soll Schüler im Gesicht, am Oberkörper, den Armen und Beinen gestreichelt und sie auf seinen Schoß gesetzt haben. Er soll nach Wechselburg versetzt und dort in der Jugendarbeit eingesetzt worden sein (Focus).

2003. Vor dem Treffen des Abitur-Jahrgangs von 1983 baten zwei Schüler darum dass Mater Magnus dem Treffen fernbleiben sollte und erzählten von den Grenzverletzungen. Die Computerkurse wurden daraufhin vom Schulleiter Maurus Kraß gestrichen.

2002. Im Nachlass einer Therapeutin wurd ein Brief gefunden in dem ein Patient Pater Magnus belastet. Es wurde von der Kriminalpolizei ermittelt. Die Ermittlungen wurden jedoch nach kurzer Zeit eingestellt.

1985. Pater Magnus kehrt nach Ettal zurück und gibt Computerkurse.

1984. Eine Mutter deren Sohn sich ihr anvertraut hatte beschwet sich und Pater Magnus kam nach den Sommerferien nicht mehr an die Schule zurück. Erklärungen wurden nicht gegeben.
Laut Pater Maurus finden sich aus der Zeit keine Hinweise auf Übergriffe in den Personalakten. Immer wieder soll es aber Erzählungen und Gerüchte gegeben haben. Pater Magnus ging für ein Jahr nach Österreich.

1980er Jahre. Es gibt Gerüchte um Übergriffe durch einen Erzieher der dann das Internat verlassen hat. Ein Schüler bringt sich um indem er Lösungsmittel trinkt.

1973. Pater Magnus wird wieder als Lehrer eingesetzt

1969. Es melden sich zwei Schüler weil Pater Magnus mit der Gruppe nackt geduscht hat. Das Kloster zieht ihn vom Schuldienst ab.

1950er Jahre. Ein Lehrer des Klosters Ettal kommt wegen Kindermissbrauch ins Gefängnis.

1940er Jahre. Pater Magnus tritt in den Orden ein und wird Lehrer. Er ist schnell beliebt und kümmert sich um den Sport und die neue Schwimmhalle. Er ist immer da und alle können immer zu ihm kommen.

Andere Kommentare um Kindermissbrauch im Nixblog

07.03.2010. Callboys im Vatikan
06.03.2010. Kindermissbrauch bei den Regensburger Domspatzen
06.03.2010. Kindermissbrauch an der Odenwaldschule in Heppenheim
06.02.2010. Kindermissbrauch in der Katholischen Kirche
24.05.2009. Internetsperren und Kinderpornographie 2 - April 2009
24.05.2009. Internetsperren und Kinderpornographie 2 - Mai 2009
24.05.2009. Internetsperren und Kinderpornographie 2
08.03.2009. Jörg Tauss - Schuldig oder nicht schuldig?
12.02.2009. Kindermisshandlung und Zensurbestrebungen


 

Mehr zum Geschehen in diesem Jahr findet man in der Wikipedia: 2010


Mobile_phone_infobox.pngSehr günstige Handys und Handys im Bundle gibt es bei Eteleon





Das Bild vom Mobiltelefon stammt von Wikimedia Commons von Andrew Fitzsimon
und wurde unter der public domain Lizenz veröffentlicht.
Das Bild "Kloster Ettal" stammt  von Wikimedia Commons von Paul Hermans
und wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.
Das Bild "Kloster Ettal von oben" stammt  aus der Wikipedia von Kogo
und wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.

Veröffentlicht in Missbrauch und Misshandlung

Kommentiere diesen Post

Michael H. von Schweinichen 03/16/2010 11:34


Ich war von 1952 bis 1955 als Schüler im Ettaler Internat. Essensentzug, stehend essen, nachts stundenlang in den kalten Gängen neben den Schlafsäälen stehen waren Strafen für schon ganz kleine
Übertretungen. Der Internatsdirektor Pater Athanasius (Spitzname Pat) hatte eine Lederpeitsche mit vielen Knoten an den Enden. Am Wochenende bekam man damit Schläge auf die nackten Beine, wenn man
etwas angestellt hatte. Und es gab den Pater Robert (Spitzname Staub) der sich an einer ganzen Reihe von Schülern sexuell verging und dafür -soweit ich hörte- auch verurteilt wurde. Später soll er
in einem österreichischen Kloster gewesen sein. Während der Untersuchung durch die Polizei hatte der damalige Abt uns Schülern untersagt, über den Fall zu sprechen und mit mehr als 3 Personen
zusammen zu stehen. Das reichte dann auch meinen Eltern und ich konnte wieder zuhause in Wiesbaden in die Schule gehen. Für mich sind diese neuen Vorkommnisse also überhaupt keine Überraschung.

Trotzdem hatte Ettal damals für mich auch seine guten Seiten: Zugang zu Kultur, viel Sport und gute Freunde, die das Leben unter den Umständen leichter machten.